Johanne Bertha Würthele wurde am 1. April 1878 in Hannover als Tochter des Althändlers Henry Rothenberg und seiner Ehefrau Pauline geb. Daniel geboren.[1]
Am 27. April 1902 ließ sich Bertha Würthele im Alter von 24 Jahren in der hannoverschen Kreuzkirche evangelisch taufen. Der Pastor wies im Kirchenbuch auf ihre bisherige jüdische Religion hin.[2] Es kann angenommen werden, dass die Taufe im Zusammenhang mit der bevorstehenden Heirat stand.
Am 3. Juli 1902 heiratete sie in Hannover den Handlungsreisenden Karl Würthele, geb. am 25. Oktober 1875 in Offenbach am Main.[3]
Karl und Bertha Würthele hatten zwei Kinder. Marie Pauline Würthele wurde am 28. Februar 1904 in Hannover geboren.[4] Sie starb 1984 in Hannover.[5]
Die zweite Tochter Johanna Luise Würthele wurde am 4. August 1905 in Hannover geboren.[6] Sie starb 1981 in Langenhagen.[7]
Selbst verwendete Johanne Bertha Würthele offenbar den Rufnamen ‚Bertha‘.[8]
Etwa 1912 trennte sich Bertha Würthele von ihrem Ehemann Karl.[9] Im Jahr 1918 wurde die Ehe in Hannover geschieden.[10]
Im Jahr 1937 zog Bertha Würthele zu ihrer Tochter Maria Sudbrack. Nach dem Krieg berichtete Maria Sudbrack, es sei ihr „nach Beginn der Verfolgung“ verboten gewesen, mit ihrer Mutter zusammenzuleben. Sie habe sie daher ab 1940 in mehreren Altersheimen untergebracht.[11]
Von Oktober 1940 bis 2. Februar 1941 wurde Bertha Würthele in der „Pflegeanstalt Hildesheim“ aufgenommen.[12] Gemeint ist vermutlich die Landes-Heil- und Pflegeanstalt, die bis 1943 im Michaeliskloster in Hildesheim untergebracht war.[13]
Am 10. März 1941 wurde Bertha Würthele im Alters- und Pflegeheim Langenhagen aufgenommen. Offenbar nachträglich wurde in der Spalte Religion „1902 ev.[angelisch] getauft“ vermerkt. Am 22. August 1941 wurde sie entlassen, ein Entlassungsziel war nicht angegeben, was nur in wenigen Fällen vorkam.[14]
Deportation nach Auschwitz
Die Einwohnermeldekarte der Stadt Hannover enthält nach März 1941 keinen weiteren Eintrag.[15] Das fehlende Entlassungsziel im Register des Alters- und Pflegeheims macht eine Entlassung zunächst „nach privat“ plausibel, also z. B. zur Tochter Maria Sudbrack geb. Würthele.
Nach der schriftlichen Aussage der Tochter aus dem September 1949 befand sich ihre Mutter Bertha Würthele im Jahr 1942 im „Jüdischen Altersheim zu Hildesheim“. Dort sei sie im Juli 1942 von der Gestapo verhaftet und verschleppt worden. Die Tochter habe daraufhin bei der „Gestapo in Hannover“ nachgefragt, worauf ihr der „Gestapo-Beamte[…] Brehmer“ erklärt habe, Bertha Würthele sei mit „zahlreichen anderen Juden nach Theresienstadt gekommen“. Ergänzt wurde die Aussage durch ein Schreiben eines Dr. Grimme aus Hildesheim, der von der Tochter als „damaliger Leiter des Altersheims“ bezeichnet wird. Dr. Grimme wies auf die vollständig verloren gegangenen Akten der „hiesigen Anstalt“ hin und erinnerte sich an die Abholung von Berta Würthele durch die Gestapo und dass sie „wahrscheinlich in die jüdische Anstalt S a y m [!]“ gebracht wurde.[16]
Bei dem von Maria Sudbrack genannten „jüdischen Altersheim zu Hildesheim“ handelt es sich um die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim im Michaeliskloster.[17] Dort war Bertha Würthele vermutlich bereits im Jahr 1940 untergebracht gewesen.[18] Der Leiter der Anstalt war seit 1930 und bis Oktober 1943 Dr. Hermann Grimme.[19] Grimme wirkte zunächst bereitwillig an der „Erb- und Rassenpflege“ des Regimes mit und bewirkte für 600 bis 700 Insassen die Zwangssterilisierung. Im Februar 1941 wandte er sich in einer Denkschrift gegen die bevorstehenden Euthanasiemorde im Rahmen der T-4-Aktion und entzog sich vor der ersten Verlegung durch einen kurzfristigen Urlaub. Allerdings folgten im selben Jahr noch weitere Transporte.[20]
Mit der „jüdischen Anstalt Saym“ meinte Grimme zweifellos die Jacoby’sche Heil- und Pflegeanstalt in Bendorf-Sayn im damaligen Landkreis Koblenz in der preußischen Rheinprovinz. Diese Anstalt war seit Dezember 1940 reichsweit die einzige, die „geisteskranke Juden“ aufnehmen durfte.[21]
Ein Transport von Bertha Würthele in die Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn wie von Hermann Grimme spekuliert, kommt zweifellos nicht in Betracht. Bereits ab März 1942 sind die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner der Anstalt ihrerseits nach Izbica und Theresienstadt deportiert worden. Ein nachträglicher Neuzugang aus Hildesheim im Juli 1942 ist schon aus diesem Grund nicht plausibel. Die Gestapo-Deportationslisten für die Bewohnerinnen und Bewohner der Anstalt sind erhalten, Bertha Würthele ist dort nicht aufgeführt.[22]
Bei dem von Maria Sudbrack genannten Gestapo-Beamten „Brehmer“ handelt es sich höchstwahrscheinlich um Hans Bremer, der ab September 1941 Mitarbeiter des „Judenreferats“ der Staatspolizeileitstelle Hannover und in dieser Funktion an der Vorbereitung des „Transports III“ bzw. „VIII/1“ im Juli 1942 nach Theresienstadt beteiligt war.[23] Die Gestapoleitstelle Hannover war seit 1941 auch für den Bereich Hildesheim zuständig.[24]
Die von Maria Sudbrack wiedergegebene Darstellung des Gestapo-Beamten Hans Bremer ist nicht überzeugend. In Betracht kommt für eine Deportation nach Theresienstadt nur der Transport am 23. Juli 1942. Aus dem Bereich Hannover war dies im Jahr 1942 der einzige Transport nach Theresienstadt.[25] In der Liste der Gestapo für diesen Transport sowie in der Eingangsliste aus Theresienstadt ist der Name Bertha Würthele nicht enthalten.[26]
Es existiert unter den verschiedenen überlieferten Exemplaren der Transportliste eine einzelne Kopie in der Überlieferung der Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten Hannover, auf der Bertha Würthele handschriftlich mit der Nummer 584 ergänzt wurde.[27] Auf der Zugangsliste aus Theresienstadt ist die Nummer 584 für eine andere Person vergeben worden.[28]
Da die Ergänzung mit dem Namen von Bertha Würthele nur auf dieser einzelnen Kopie vorliegt, auch auf der Zugangsliste aus Theresienstadt nicht vorgenommen und die Nummer stattdessen anderweitig vergeben wurde, erfolgte sie höchstwahrscheinlich erst innerhalb der Vermögensverwertungsstelle bei der Sachbearbeitung nach dem Transport. Im Zusammenhang damit steht vermutlich, dass die Akte der Vermögensverwertungsstelle für Bertha Würthele zu einem späteren Zeitpunkt entstanden ist als die übrigen Akten der mit dem Transport III Deportierten.[29]
Die Verfügungen zum Vermögenseinzug tragen in den anderen Fallakten für den Transport III durchweg das Datum 1. Juli 1942.[30] Ebenfalls enthalten sind in den Akten Zustellungsurkunden des Obergerichtsvollziehers für diese Verfügungen.[31] Soweit die Vermögenserklärungen durch die Beamten des Oberfinanzpräsidenten ergänzt wurden, ist das noch im Juli 1942 geschehen.[32] Praktisch alle Aktenblätter, die im Juli 1942 in die verschiedenen Akten gelangt sind, sind mit der Transportnummer der jeweiligen Person gekennzeichnet.[33]
Die Akte für Bertha Würthele ist hingegen erst im Januar 1943 entstanden. Die Staatspolizeileitstelle Hannover hatte am 19. November 1942 den Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Hannover angeschrieben. Das Schreiben selbst ist nicht bekannt. Daraufhin erließ der Regierungspräsident am 8. Dezember 1942 eine Verfügung zum Vermögenseinzug. Die Verfügung nahm auch Bezug darauf, dass von der Gestapo ein Betrag von 7,48 RM von Bertha Würthele eingezogen worden war, der dem Oberfinanzpräsidenten zustehe. Diese Information war offenbar im Schreiben der Staatspolizeileitstelle bereits enthalten gewesen und möglicherweise der Anlass für die Einziehungsverfügung. Die Verfügung des Regierungspräsidenten wurde im Original zurück an die Staatspolizeileitstelle geschickt, wo sie am 10. Dezember eintraf. Eine Kopie der Verfügung ging gleichzeitig an den Oberfinanzpräsidenten. Beim Oberfinanzpräsidenten wurde diese Verfügung zunächst nicht der Aktengruppe des Transports III zugeordnet, sondern erhielt ein anderes Aktenzeichen.[34] Die Zuordnung zum Transport III erfolgte dann im Januar 1943, nachdem die Staatspolizeileitstelle ihre Kopie der Verfügung als Anlage eines Schreibens vom 16. Januar ebenfalls an den Oberfinanzpräsidenten gesandt hatte. In dem Schreiben erläuterte die Staatspolizeileitstelle, dass Bertha Würthele „geisteskrank und gemäss FS[Fernschreib]-Erlass des Reichssicherheitshauptamtes vom 4.7.42 […] am 10.7.42 in das KL. Auschwitz überführt worden“ sei. Es wurde angekündigt, dass die eingezogenen 7,48 RM auf dem Postscheckwege übersandt würden; eine Vermögenserklärung läge bei der Staatspolizei nicht vor.[35] Das von der Gestapo angegebene Aktenzeichen des FS-Erlasses lautet „IV B 4 a – 2093/42 g (391)“, es stammt aus dem Sachgebiet „Auswanderung“ aus dem von Adolf Eichmann geleiteten Referat „Judenangelegenheiten“ des RSHA.[36] Der angegebene Erlass ist nicht bekannt.[37] Weitere Schriftstücke enthält die Akte nicht.[38]
Die Akte für Bertha Würthele wurde erst mehrere Monate nach dem Transport mit einem zum Transport gehörigen neuen Aktenzeichen erstellt, dabei wurden Dokumente eingefügt, die vorher anderen Vorgängen zugeordnet waren. Die Zuordnung zur Aktengruppe des Transports III stand dabei im Widerspruch zum Schreiben der Gestapo, das von einen Transport nach Auschwitz spricht.
Es ist zu vermuten, dass erst im zeitlichen Zusammenhang zur Aktenbildung mit dem Aktenzeichen des Transports III im Januar 1943 auch der handschriftliche Nachtrag von Bertha Würthele auf der Transportliste erfolgte, um so eine vollständige Übersicht aller vergebenen Aktenzeichen zu erhalten. Denkbar ist, dass eine Zuordnung der Akte zum Transport III erfolgte, weil die Alternative einer einzelnen Akte für einen weiteren Transport einen erkennbaren Mehraufwand für die Bearbeitung des eingezogenen Vermögens dargestellt hätte, bei dem eine weitere Bearbeitung offenbar nicht zu erwarten war. Gleichzeitig passte er anders nicht in die Aktenstruktur für die inzwischen drei Transporte.
Dafür spricht auch, dass auch die nächste Nummer ‚585‘ für den Transport III noch nachträglich vergeben und das Aktenzeichen O.5205-J.III/585-P211e angelegt wurde. Es handelt sich dabei um Klara Philippstein geb. Wallbaum, die am 17. Juli 1942 Selbstmord beging. Sie war offenbar nicht für den Transport III vorgesehen. Auf der Transportliste mit dem Namen von Bertha Würthele wurde sie allerdings nicht nachgetragen.[39]
Im Rahmen des von der Tochter Maria Sudbrack angestrengten Entschädigungsverfahrens brachten diese im Jahr 1952 zwei schriftliche Aussagen von Zeuginnen bei, die bestätigten, Bertha Würthele in Theresienstadt begegnet zu sein. Eine der Zeuginnen bestätigte auch, mit ihr gemeinsam einige Tage im Lager Ahlem und anschließend im Transport III gewesen zu sein.[40] Beide Zeuginnen haben diese Aussage trotz Vorladung nicht persönlich vor dem Kreissonderhilfsausschuss wiederholt.[41] Zwei weitere schriftliche Aussagen von Verfolgten bestätigen die Deportation mit Vorbehalten der eigenen Erinnerung bzw. mit Bezug auf frühere Berichte von Maria Sudbrack.[42]
Angesichts der bekannt langwierigen und häufig für die Opfer wenig befriedigenden Entschädigungsverfahren ist es naheliegend, dass die Zeuginnen, die ebenfalls Opfer der Verfolgung geworden waren, Gefälligkeitsaussagen verfassten. Im Vergleich zur Aktenlage, nach der Bertha Würthele weder in Ahlem noch in Theresienstadt verzeichnet, sondern nach Auschwitz deportiert worden war, sind die Aussagen nicht glaubwürdig.
Nach all dem war Bertha Würthele zweifellos nicht im Transport III nach Theresienstadt.
Laut Gestapo-Schreiben in der Akte der Vermögensverwertungsstelle ist Bertha Würthele „am 10.7.42 in das KL. Auschwitz überführt worden“.[43] Der dem Transport III vorangehende Transport II aus Hannover fand bereits am 1. März 1942 statt und ging nach Riga, der Transport IV fand jedoch erst am 2. März 1943 nach Auschwitz statt.[44] Beide Transporte kommen für den angegebenen Zeitraum Juli 1942 nicht in Betracht.
Am 10. und 11. Juli 1942 ging jedoch ein Deportationszug aus dem gesamten nördlichen Deutschland nach Auschwitz.[45] Das Ziel dieses Transports war in der Forschung länger umstritten.[46] Er unterlag besonderen Geheimhaltungsvorkehrungen. Es existieren allerdings Belege, die das Ziel Auschwitz bestätigen. Nachgewiesen sind Deportierte aus den benachbarten Staatspolizeistellen Braunschweig, Bielefeld und Osnabrück.[47]
Die Angaben aus dem Gestapo-Schreiben decken sich mit Datum und Ziel dieses Transports. Zweifellos wurde Bertha Würthele mit diesem Transport nach Auschwitz deportiert. Es kann angenommen werden, dass sie zunächst nach Bielefeld überstellt und dort in den Transport eingegliedert wurde.
Entschädigungsverfahren
Bereits im Mai 1947 stellte die Tochter Maria Sudbrack einen ersten Antrag auf Unterstützung für ehemalige politische Häftlinge und verwies darin auf die Verfolgung ihrer Mutter Bertha Würthele sowie deren Geschwister Irene und Gustav Rothenberg und der weiteren Tanten Tille (Mathilde) und Bertha und des Onkels Gustav Rothenberg.[48]
Im September 1949 stellte sie den Antrag, ihre Mutter Bertha Würthele für tot zu erklären. Die Todeserklärung erfolgte daraufhin im Februar 1950.[49] Unmittelbar danach beantragte sie Haftentschädigung beim Kreis-Sonderhilfsausschuss.[50]
Maria Sudbrack wollte die Entschädigungssumme ursprünglich für den Kauf einer Zwei-Zimmer-Eigentumswohnung bei einer Wohnungsbaugenossenschaft verwenden und bat im Oktober 1951 um die Auszahlung auf ihr Bausparkonto.[51] Im Februar 1953 teilte sie mit, dass sie diese Pläne aus finanziellen Gründen aufgegeben habe.[52]
Maria Sudbrack brachte zwei Aussagen bei, die die Aussage der Deportation nach Theresienstadt aus der Erinnerung von hannoverschen bestätigten.[53] Der Rat der jüdischen Gemeinden in Prag teilte im November 1951 mit, dass Bertha Würthele in den vorliegenden Aufzeichnungen nicht vorkomme und dass anzunehmen sei, „dass Gesuchte von ihrem Wohnort direkt nach dem Osten deportiert wurde.“[54]
Da Bertha Würthele auch beim Internationalen Suchdienst Bad Arolsen und beim tschechischen Roten Kreuz in Prag nicht registriert war, war für den Kreissonderhilfsausschuss nicht auszuschließen, dass „die Verschollene schon kurz nach der Deportation ums Leben gekommen“ sei. Anrecht auf eine Haftentschädigung hätte dann nur in geringer Höhe bestanden. Der Kreissonderhilfsausschuss forderte daraufhin weitere Zeugenaussagen von Personen ein, die selbst in Theresienstadt gewesen waren.[55] Eine mögliche Zeugin konnte sich nicht an Bertha Würthele erinnern.[56] Zwei Zeuginnen bestätigten schriftlich, Bertha Würthele in Theresienstadt begegnet zu sein.[57] Beide erschienen nicht persönlich vor dem Sonderhilfsausschuss.[58] Die Aussagen der Zeuginnen sind angesichts der Aktenlage zweifellos als Gefälligkeit zu bewerten.[59]
Dennoch kam der Sonderhilfsausschuss am 20. Februar 1953 schließlich zum Ergebnis, dass Bertha Würthele eine Haftentschädigung von Juli 1942 bis Mai 1945 zugestanden hätte, die zu gleichen Teilen an ihre Töchter übergegangen war.[60]
Im November 1950 forderte Gustav Samoray, der Schwiegersohn von Bertha Würthele, im Namen seiner Ehefrau Luise Samoray geb. Würthele die „baldige Auszahlung der Wiedergutmachung“ ein, da seine Frau einen Anteil zu erhalten habe und er „das Geld nötig gebrauche“, um damit eine Existenz als Maler zu gründen. Der von ihm angeführte Antrag aus dem März 1950 ist nicht in den Akten.[61] In diesem Verfahren war durchgängig der Ehemann aktiv, der sich mehrfach um eine Auszahlung bemühte und sich dafür im Juni 1951 auch an den Ministerpräsidenten wandte.[62] Der routinemäßig angeforderte Strafregisterauszug für Luise Samoray weist aus dem Jahr 1950 eine Geldstrafe von 12,— DM wegen Hehlerei aus.[63] Von der im März 1953 ausgezahlten Entschädigungsleistung wurden 385,— DM für ein Radio an den Händler abgetreten.[64]
Im Jahr 1954 beantragte der Schwiegersohn Gustav Samoray im Namen seiner Ehefrau Luise Samoray Entschädigung für Schäden an Eigentum und Vermögen von Bertha Würthele.[65] Maria Sudbrack geb. Würthele, die zweite Tochter von Bertha Würthele stellte im Rahmen einer Zeugenbefragung im März 1956 ebenfalls einen entsprechenden Antrag.[66] Beide Anträge werden im Juni 1956 abgelehnt. Da das Eigentum von Bertha Würthele nicht durch Zerstörung oder Plünderung in Verlust geraten ist, sei kein Entschädigungsanspruch nach dem BEG gegeben. Vielmehr sei grundsätzlich ein Tatbestand nach den Vorschriften über die Rückerstattung entzogener Vermögensgegenstände gegeben.[67]
- Standesamt Hannover, Geburtsregister, Jg. 1878, Nr. 1185, Johanne Bertha Rothenberg, geb. 01 Apr 1878; Stadtarchiv Hannover, zum Erstregister erklärtes Zweitregisterbuch, StA 28-1185/1878. Auch: Synagogengemeinde Hannover, Geburtslisten 1877-1881, S. 57, Eintrag 285, Johanne Bertha Rothenberg, geb. 01 Apr 1878; Rückvergrößerung von Mikrofilm, NLA HA, Hann. 83b, Acc. 2024/138 Nr. 59. ↑
- Enthält Bemerkung: „24 J. Ohne Taufzeugen. Proselytin [Konvertitin] aus dem Judentum. Get.[auft] mit Genehmigung des königl.[ichen] Consistorii durch Pastor Wachtel.“: Kirchengemeinde St. Crucis Hannover (Kreuzkirche, ev.-lt.), Taufen 1897–1903, Jg. 1902, fol. 235, Nr. 60, Johanne Bertha Rothenberg, geb. 01 Apr 1878; Ancestry.com, „Bremen, Deutschland, und Hannover, Preußen, Deutschland, evangelische Kirchenbücher, 1574-1945”, Datenbank mit Scans, Hannover > Kreuzkirche Sankt Crucis > Taufen 1897-1911, B. 251, https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/61007/images/0185132-00250 (abger. 23.02.2023); urspr. Daten: Familysearch.org, Mikrofilm-Sammlung, Filmnr.: 185132; Originale: Evangelisches Kirchenbuchamt Hannover. ↑
- Geburt des Ehemannes am 25 Okt 1875 in Offenbach am Main: Standesamt Hannover, Heiratsregister, Jg. 1902, Nr. 971, Karl Würthele u. Johanne Bertha Rothenberg, geh. 03 Jul 1902; Stadtarchiv Hannover, zum Erstregister erklärtes Zweitbuch, StA 380-971/1902.
Sowie: Kirchengemeinde St. Crucis Hannover (Kreuzkirche, ev.-lt.), Trauungen 1896–1907, Jg. 1902, fol. 847, Nr. 37, Karl Würthele u. Johanne Bertha Rothenberg, getr. 03 Jul 1902; Ancestry.com, „Bremen, Deutschland, und Hannover, Preußen, Deutschland, evangelische Kirchenbücher, 1574-1945”, Datenbank mit Scans, Hannover > Kreuzkirche Sankt Crucis > Heiraten u. Proklamationen 1874-1907, B. 573, https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/61007/images/0185137-00572 (abger. 23.02.2023); urspr. Daten: FamilySearch.org, Mikrofilm-Sammlung, Filmnr.: 185137; Originale: Evangelisches Kirchenbuchamt Hannover. ↑ - Standesamt I Hannover, Geburtsregister, Jg. 1904, Bd. 2, Nr. 1120, Marie Pauline Würthele, geb. 28 Feb 1904; Stadtarchiv Hannover, Sign. 1.NR.3.08.02, StA 6837-1120/1904. ↑
- Standesamt I Hannover, Sterberegister, Jg. 1984, Nr. 5519, Marie Pauline Sudbrack geb. Würthele, gest. 21./22 Aug 1984; Stadtarchiv Hannover, Sign. 1.NR.3.08.02, StA 6882-5519/1984. ↑
- Standesamt I Hannover, Geburtsregister, Jg. 1905, Bd. 6, Nr. 3692, Johanna Luise Würthele, geb. 04 Aug 1905; Stadtarchiv Hannover, Sign. 1.NR.3.08.02, StA 7049-3692/1905. ↑
- Standesamt Langenhagen, Sterberegister, Jg. 1981, Nr. 92, Johanna Luise Samoray, gest. 27 Feb 1981; Stadtarchiv Langenhagen. ↑
- Vgl. Stadt Hannover, Einwohnermeldekartei, Bertha Würthele geb. Rothenberg; Stadtarchiv Hannover, StadtA H 1.HR.03.2, Selekt Juden, Karte 7803. Und: Adressbuch der Stadt Hannover, Jg. 1930, S. I-567, Eintrag für Bertha Würthele; Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek,http://digitale-sammlungen.gwlb.de/resolve?PPN=810649861_1930 (abger. 04.02.2023). ↑
- Adressbuch der Stadt Hannover, Jg. 1913, S. IIII-560, Eintrag für Berta Würthele; Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek,https://digitale-sammlungen.gwlb.de/resolve?PPN=810649993_1913 (abger. 15.02.2026). ↑
- Randvermerk zur Ehescheidung am Landgericht Hannover, rechtskräftig am 06 Mar 1918: Standesamt Hannover, Heiratsregister, Karl Würthele u. Johanne Bertha Rothenberg, a. a. O. ↑
- Regierungspräsident Hannover, Entschädigungsbehörde, Akte für Luise Samoray, geb. 04.08.1905, nach Berta Würthele, geb. Rothenberg, Nr. 109186, Bl. 11; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, NLA HA Nds. 110 W Acc. 14/99 Nr. 109186.
Sowie: Stadt Hannover, Einwohnermeldekartei, Bertha Würthele geb. Rothenberg, a. a. O. ↑ - Stadt Hannover, Einwohnermeldekartei, Bertha Würthele geb. Rothenberg, a. a. O. ↑
- Historisches Kirchengemeindelexikon der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, „Hildesheim, Heil- und Pflegeanstalt“, https://kirchengemeindelexikon.de/einzelgemeinde/hildesheim-heil-und-pflegeanstalt/ (abger. 14.01.2025). ↑
- Alters- und Pflegeheim Langenhagen, Hauptregister, Nr. 866, Berta Würthele; Stadtarchiv Hannover, StadtA H, 1.NR.5.08 Nr. 20683. Aufnahmedatum übereinstimmend: Stadt Hannover, Einwohnermeldekartei, Bertha Würthele geb. Rothenberg, a. a. O. ↑
- Stadt Hannover, Einwohnermeldekartei, Bertha Würthele geb. Rothenberg, a. a. O. ↑
- Vgl. Amtsgericht Hildesheim, Todeserklärungsverfahren, Jg. 1949, Johanna Bertha Würthele, fol. 1f.; Niedersächsisches Landesarchiv, NLA NA Nds. 725 Hildesheim Acc. 138/94 Nr. 502. ↑
- Vgl. Sonderhilfsausschuss für den Regierungsbezirk Hannover, Akte für Maria Sudbrack, Az. St. H. 2435 S, Bl. 10; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, NLA HA Nds. 110 W Acc. 14/99 Nr. 109186. ↑
- Vgl. Stadt Hannover, Einwohnermeldekartei, Bertha Würthele geb. Rothenberg, a. a. O.
Die Meldeunterlagen der Stadt Hildesheim sind 1945 zerstört worden: Sonderhilfsausschuss für den Regierungsbezirk Hannover, Akte für Maria Sudbrack, a. a. O., Bl. 14. ↑ - Schäfer, Klaus u. Hartmut Jäger: „Die Heil- und Pflegeanstalt“, in: Volkshochschule Hildesheim: Vernetztes Erinnern, http://www.vernetztes-erinnern-hildesheim.de/die-heil-und-pflegeanstalt/ (abger. 17. Dezember 2025). ↑
- Schäfer, Klaus: „Die Heil- und Pflegeanstalt im Michaeliskloster 1827 bis 1946“, in: Arnold, Jochen M.: St. Michaelis zu Hildesheim: Geschichte und Geschichten aus 1000 Jahren, Hildesheim: Gerstenberg 2010 (Veröffentlichungen der Hildesheimer Volkshochschule zur Stadtgeschichte Hildesheims 15, hrsg. v. Volkshochschule Hildesheim), S. 188–196, hier S. 193f. ↑
- Wikipedia: Artikel „Jacoby’sche Heil- und Pflegeanstalt“, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Jacoby%E2%80%99sche_Heil-_und_Pflegeanstalt(Stand: 31. Dezember 2024). ↑
- Gestapo-Leitstelle Koblenz, Deportationslisten für den Stadt- und Landkreis Koblenz und die sog. Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn, März 1942 bis Juli 1942; Arolsen Archives, Sign. DE ITS 1.2.1.1 8227704, https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-2-1-1_8227704 (abger. 31.12.2024). ↑
- Hans Bremer, geb. 09 Okt 1906 in Hannover, vgl.: („Hans Bremer (Polizeibeamter)“, Wikipedia 2023) ↑
- Haus der Geschichte Baden-Württemberg: „Das Netz der Gestapo – Deutsches Reich – Staatspolizeileitstelle Hannover“, in: Geschichtsort Hotel Silber, https://web.archive.org/web/20231025080508/https://virtuell.geschichtsort-hotel-silber.de/das-netz-der-gestapo/deutsches-reich/staatspolizeileitstelle-hannover/ (abgerufen am 26.01.2025). ↑
- Jüdische Gemeinde Hannover, Aufstellung zu Deportationen von Jüdinnen und Juden aus Hannover in den Jahren 1941-1944, o. D. (Nachkriegsaufstellung); Arolsen Archives, Sign. DE ITS 1.2.1.1 1841000, https://collections.arolsen-archives.org/de/archive/1-2-1-1_1841000 (abger. 23.10.2023). ↑
- Lager Theresienstadt, Zugangsliste aus dem Gestapobereich Hannover, Transport VIII/1 (Ankunft 24.07.1942); Arolsen Archives, Sign. DE ITS 1.2.1.1 8228900, https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11199333 (abger. 23.10.2023). ↑
- Nach der laufenden Nummer 520 ist handschriftlich „Berta Würthele“ eingetragen. Angaben zu Beruf, Personenstand und Nummer der Kennkarte fehlen dabei in der Tabelle. Nicht erkennbar ist, warum die Eintragung nicht hinter der Nummer 583 erfolgte. Nach der Notiz auf der ersten Seite der Liste handelt es sich offenbar um die Kopie des Beamten „P21a“. Staatspolizeileitstelle Hannover, III. Transportliste, 23.07.1942, Hannover nach Theresienstadt, Bl. 26, Nr. 505, Erika Veit; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, NLA HA, Hann. 210, Acc. 160/98 Nr. 17, Bl. 189. ↑
- Für Louis Wolff aus Varel ist handschriftlich die Nummer 584 eingetragen: Lager Theresienstadt, Zugangsliste aus dem Gestapobereich Hannover – Adst.[Außendienststelle] Bremen Varel, Transport VIII/1 (Ankunft 24.07.1942); Arolsen Archives, Sign. DE ITS 1.2.1.1 8228901, https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11199368 (abger. 23.10.2023). ↑
- Oberfinanzpräsident in Hannover, Vermögensverwertungsstelle, Akte für Berta Würthele; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/023 Nr. 1.380. ↑
- Vgl. beispielhaft: Oberfinanzpräsident in Hannover, Vermögensverwertungsstelle, Akte für Seligmann Jacobi, fol. 2; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/023 Nr. 1349. ↑
- Vgl. ebd., fol. 3. ↑
- Vgl. ebd., fol. 4. ↑
- Vgl. ebd. ↑
- Das ursprüngliche Aktenzeichen O.5205-1298-P211e ist durchgestrichen und durch J.III/584 ersetzt. Die Zahl 584 wurde korrigiert, die ursprüngliche Zahl ist nicht erkennbar. Oberfinanzpräsident in Hannover, Vermögensverwertungsstelle, Akte für Berta Würthele, Bl. 2, a. a. O. ↑
- Vgl. ebd., Bl. 4. ↑
- RSHA, Geschäftsverteilungsplan, Stand 1.1.1942, fol. 11; Arolsen Archives, Sign. DE ITS 1.1.0.2 9005200, https://collections.arolsen-archives.org/de/document/82334680 (abger. 23.03.2024). Vgl. auch: (Rüter, Christiaan F. und D. W. de Mildt: Die vom 01.01.1971 bis zum 01.08.1971 ergangenen Strafurteile, lfd. Nr. 747 – 758, Amsterdam: Amsterdam Univ. Press 2005 (Justiz und NS-Verbrechen : Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945 – 1999, Bd. XXXV), S. 281). ↑
- Eine Anfrage beim Bundesarchiv blieb erfolglos. Vgl. Bundesarchiv, Schreiben an den Autor, Az. DR 3 – 2020/KW49#0247#0002, 03 Feb 2025 ↑
- Oberfinanzpräsident in Hannover, Vermögensverwertungsstelle, Akte für Berta Würthele, fol. 4, a. a. O. ↑
- Oberfinanzpräsident in Hannover, Vermögensverwertungsstelle, Akte für Klara Philippstein geb. Wallbaum; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, NLA HA, Hann. 210, Acc. 2004/023 Nr. 1.381. ↑
- Sonderhilfsausschuss für den Regierungsbezirk Hannover, Akte für Maria Sudbrack, a. a. O., Bl. 35 u. 36. ↑
- Ebd., Bl. 34 u. 44. ↑
- Ebd., Bl. 14. u. 17. ↑
- Oberfinanzpräsident in Hannover, Vermögensverwertungsstelle, Akte für Berta Würthele, Bl. 4, a. a. O. ↑
- Jüdische Gemeinde Hannover, Aufstellung zu Deportationen von Jüdinnen und Juden aus Hannover in den Jahren 1941-1944, o. D. (Nachkriegsaufstellung), Bl. 1; Arolsen Archives, Sign. DE ITS 1.2.1.1 1841000, https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11199445 (abger. 20.02.2026). ↑
- Statistik-des-Holocaust.de, „11.07.42 nach Auschwitz“, https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_nwd_420711.html (abger. 23.09.2024). ↑
- Gottwaldt, Alfred B. und Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945: eine kommentierte Chronologie, Wiesbaden: Marixverlag 2005, S. 395. ↑
- Statistik-des-Holocaust.de, „11.07.42 nach Auschwitz“, a. a. O. ↑
- Maria Sudbrack wurde mit der Nr. I/2507 registriert: Regierungspräsident Hannover, Wiedergutmachtung, Akte für Luise Samoray, Az. 1/09186, Bl. 1; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, NLA HA Nds. 110 W Acc. 14/99 Nr. 109186. ↑
- Amtsgericht Hildesheim, Todeserklärungsverfahren, Jg. 1949, Johanna Bertha Würthele; Niedersächsisches Landesarchiv, NLA NA Nds. 725 Hildesheim Acc. 138/94 Nr. 502. ↑
- Sonderhilfsausschuss für den Regierungsbezirk Hannover, Akte für Maria Sudbrack, a. a. O., Bl. 1. ↑
- Ebd., Bl. 27a. ↑
- Ebd., Bl. 39. ↑
- Ebd., Bl. 14 u. 17. ↑
- Ebd., Bl. 26. ↑
- Ebd., Bl. 30. ↑
- Ebd., Bl. 33. ↑
- Ebd., Bl. 35 u. 36. ↑
- Ebd., Bl. 34 u. 44. ↑
- Vgl. die Ausführungen zu den Transportlisten und dem Schreiben der Gestapo zum Verbleib von Bertha Würthele. ↑
- Ebd. Bl. 45. ↑
- Sonderhilfsausschuss für den Regierungsbezirk Hannover, Akte für Luise Samoray, Az. St. H. 2435 S, Bl. 1; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, NLA HA Nds. 110 W Acc. 14/99 Nr. 109186. ↑
- Ebd., Bl. 3 u. 4. ↑
- Ebd., Bl. 12. ↑
- Ebd.. Bl. 19 u. 20. ↑
- Regierungspräsident Hannover, Entschädigungsbehörde, Akte für Luise Samoray, a. a. O., o. Pag. ↑
- Ebd., Bl. 11. Der Antrag von Maria Sudbrack wurde als eigenständiges Verfahren geführt: Regierungspräsident Hannover, Entschädigungsbehörde, Akte für Maria Sudbrack, geb. 28.02.1904, nach Berta Würthele, geb. Rothenberg, Nr. 121271; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, NLA HA Nds. 110 W Acc. 14/99 Nr. 109186. ↑
- Regierungspräsident Hannover, Entschädigungsbehörde, Akte für Luise Samoray, a. a. O., Bl. E 14. ↑
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